Training
Das Chow Gar Kung-Fu (周家拳) System ist ein sehr bekannter Kampfstil unter den chinesischen Kampfkünsten. Es ist durch seine kampferprobten Techniken und die positiven gesundheitlichen Auswirkungen auf den menschlichen Körper sehr bekannt geworden. Im Chow Gar gibt es keine kurze Ausbildung, man lernt das ganze Leben lang – und für das ganze Leben. Um diesen Kung-Fu Stil zu erlernen - und vor allen Dingen zu verstehen - muss von dem Praktizierenden viel Geduld, harte Arbeit, Willen und Hingabe aufgebracht werden. Doch wer bereit ist, diesen Weg zu beschreiten, um sich diese Kampfkunst zunutze zu machen, dem eröffnet dieses Kung-Fu System ein schier unerschöpfliches Potential an positiven Aspekten, Erfahrungen und Lebensqualität. Die Ausbildung im Chow Gar fängt mit dem Grundlagentraining an. Hierbei wird besonders viel Wert auf die korrekte Ausführung der Stellungen und Grundtechniken gelegt. Das richtige Verständnis und Beherrschen dieser Grundlagen ist sehr entscheidend, um später die komplexen und wirkungsvollen Techniken beherrschen und anwenden zu können. Sie sind auch Vorbereitung für das spätere Formen- und Waffentraining.
Trainingsinhalte:
- Basistraining (Gei Bun Gung - 基本功 )
- Authentische Hand-, Waffen- und Partnerformen (Toulou 套路)
- Inneres Training (Hai Gung 氣功)
- Effektives Selbstverteidigungstraining (Jih Waih Shut 自衛術)
- Freikampf (Saan Da 散打)
- Löwentanz (Mou Si 舞獅 )
- Traditionale Unterrichtsmethoden
- Moderne Trainingsmethoden mit Boxhandschuhen, Schlagpolster u.s.w.
Das Chow Gar System ist bekannt für seine starken und dynamischen Stellungen. Beim Lernen wird deshalb sehr viel Gewicht auf dieses Stellungstraining gelegt. Der Wert dieser Stellungsarbeit kann nicht oft genug betont werden. Sie ist die Grundlage aller Techniken und Bewegungen, sowie eine der wichtigsten Schlüsselelemente zur erfolgreichen Weiterentwicklung und zum Verständnis des Chow Gar. Im traditionellen Sinn waren die Stellungen das Erste, was die Schüler lernen mußten. Über längere Zeiträume von 5 - 6 Monaten mussten sie in verschiedenen Stellungen verharren, ehe sie mit den Formen beginnen konnten. Ein bekanntes Beispiel ist, dass der Schüler in der tiefen Si Ping Ma (Ma Bu) Stellung ausharren mußte, bis ein Räucherstäbchen abgebrannt war. Mit dieser Übung wurde auch der Willen des Schülers getestet. Wer hier aufgab, wurde vom Meister nicht ausgebildet. Natürlich würden in der westlichen Welt heute nur sehr wenige Schüler diese Anstrengungen über sich ergehen lassen. Dies sollte aber kein Grund sein, ein solides Stellungstraining zu vernachlässigen. Jedoch sollte vermieden werden, die Stellungen in den Bewegungsabläufen zu statisch oder steif auszuführen. In den Formen sollten die Stellungen energisch und fließend sein. Ein chinesisches Sprichwort sagt: Wenn du in einer Stellung stehst, sei wie ein Berg, stark und unverrückbar, wenn du dich bewegst, sei wie der Wind, schnell und stürmisch.
Stellungen im traditionellen Kung-Fu (Kantonesisch):
Sei Ping Ma - Vier Ebenen Stellung
Diu Ma - Hängende Stellung
Nau Ma - Eingedrehte Stellung
Gwaai Ma - Kreuzstellung
Gung Jian Ma - Pfeil- und Bogenstellung
*Die Gung Jian Ma ist auch als Meridian Stellung (Ji Ng Ma) bekannt.
Guai Ma - Knieende Position
Duk Laap Ma - Ein-Bein Stellung
Laap Ma - Aufrechte Stellung
Das Training in unserer Schule beinhaltet die überlieferten Techniken, sowie die traditionellen Hand- und Waffenformen und ist zugleich ein systematisch aufgebautes ganzheitliches Fitness- und Bewegungsprogramm.
Handformen:
Das Chow Gar Kung-Fu System enthält viele unterschiedliche Hand-, Waffen- und Partnerkampfformen. Diese Formen (chin. Chuen Fa), die eine feste Abfolge von Stellungen, Hand- und Fußtechniken, Schritten und Sprüngen beinhalten, sind einer der wichtigsten Aspekte dieses Kampfsystems. Jede Form vermittelt die unterschiedlichen Grundregeln dieser Kampfkunst und jede Bewegung in diesen Formen dient einem Zweck und hat eine Bedeutung. Hier wird der Übende geistig und körperlich geschult, Techniken werden verfeinert, Ausdauer und Krafteinsatz gesteigert, Reaktion und Koordination verbessert. Je öfter und intensiver man diese Formen übt, um so schneller beginnt man die Zweckmäßigkeit der Techniken zu verstehen und um so tiefer wird das Verständnis für diese Kampfkunst.
Traditionelle Waffenformen:
Die traditionellen chinesischen Waffen sind fester Bestandteil des Chow Gar Kung-Fu Trainings. Sie werden grob in die Kategorien lang, kurz, einzeln und doppelt eingeteilt und unterscheiden sich u. a. durch Gewicht und Handhabung. Im Chow Gar Kung-Fu werden eine Vielzahl von Waffenformen unterrichtet. Die Wichtigsten sind der Langstock, der Säbel, die Schmetterlingsmesser, die Doppelsäbel, das Neun-Ringe-Hellebarde und der Speer.
Unser Ausbildungsprogramm:
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Einführungsstufe: - Kung-Fu Gymnastik, Kraft- und Konditionstraining - Einführung in die Prinzipien des Kung-Fu - Einführung in die Stellungsarbeit - Grundtechniken Hand/Fuß - Einfache Anwendungen mit Partner ___________________________________ Rote Schärpe Anfängerstufe 1: - Sei Ping Kuen (Vier Punkte Form) - Verteidigungstechniken ___________________________________ Anfängerstufe 2: - Siu Sap Ji Kuen (Kleine Kreuz Handform) - Verteidigungstechniken ___________________________________ Anfängerstufe 3: - Siu Hung Kuen (Kleine Hung Handform) - 1. Partnerhandform - Verteidigungstechniken ___________________________________ Orangene Schärpe Mittelstufe 1: - Seung Tau Gwan (Doppelend Stockform) - 1. Partnerwaffenform (Stock gegen Stock) - Kampftraining + Verteidigungstechniken ___________________________________ Mittelstufe 2: - Fu Mei Dan Do (Säbelform) - 2. Partnerwaffenform (Stock gegen Säbel) - Kampftraining + Verteidigungstechniken ___________________________________ Mittelstufe 3: - Sap Ji Jit Fu Kuen (Kreuz Tigerblock Handform) - 3. Partnerwaffenform (Säbel gegen Säbel) - Kampftraining + Verteidigungstechniken ___________________________________ Gelbe Schärpe Fortgeschrittene 1: - Fuk Fu Kuen (Kleine tigerbändigende Form) - 2. Partnerhandform - Kampftraining + Verteidigungstechniken ___________________________________ Fortgeschrittene 2: - Ying Jow Kuen (Adlerklauen Handform) - Kampftraining + Verteidigungstechniken ___________________________________ Fortgeschrittene 3: - Ying Cheong (Speerform) - 4. Partnerwaffenform (Speer gegen Säbel) - Kampftraining + Verteidigungstechniken ___________________________________ Schwarze Schärpe Expertenstufe 1: - Sap Ji Mui Fa Sheung Do (Doppelsäbel) - 5. Partnerwaffenform (Speer gegen Doppelsäbel) -___________________________________ Expertenstufe 2: - Man Gee Kuen (10000 Zeichen Handform) - 5. Partnerwaffenform (9 Ringe Hellebarde gegen Dreigliederstab) - Kampftraining + Verteidigungstechniken |
Formen die in Sonderlehrgängen unterrichtet werden und die erforderlich sind um den Ausbilderstatus zu erreichen: - Fa Kuen (Blumen Handform) - Lo Han Kuen (Arhat Handform) - Siu Tong Kuen (Kleine Rund Handform) - Siu Seung Do (Kleine Doppelsäbel Form) - Ng Jing Kuen (Fünftiere Handform) - Chaap Jai Seung Bei Sau (Doppelmesser) - Siu Sap Ji Kuen 2 (Kleine Kreuz Handform) - Seung Tau Cheung (Doppelkopfspeer) - Fu Mei Dan Do 2 (Säbelform) - Fu Pow Kuen (Tiger Leopard Handform) - Dai Fuk Fu Kuen (Große Tigerfaustform) - Gowk Gee Kuen (Landzeichen Handform) - Gao Wan Dai Do (Neunringe Hellebarde) - Bau Jong Do (Schmetterlingsmesser) - Seung Tai Gwan 2 (Stockform) |
Die Selbstverteidigungstechniken des Chow Gar Kung-Fu basieren hauptsächlich - und dass ist das Urtypische dieser Kampfkunst - auf Tiertechniken (z.b. Tiger, Leopard, Kranich, Drache, Schlange). An dieser Stelle soll noch erwähnt werden, dass die überwiegende Mehrzahl der Schulen und Stile des Kung-Fu aus der Beobachtung von Tieren und deren Verhalten im Kampf entstand. Durch das intensive und schweißtreibende Auseinandersetzen mit den jeweiligen Formen des Chow Gar lernt der Schüler die Techniken zu meistern und diese bei Partnerkampfübungen gezielt an jede beliebige Situation und an jeden beliebigen Gegner anzupassen. Hier kommen besonders Block-, Griff-, Hebel-, Stich- und Fausttechniken zu neuralgischen Punkten des Körpers zum Einsatz, die auch unter dem chinesischen Begriff Chin Na bekannt sind. Tiefe und explosive Tritte und Feger in Kombination mit Handtechniken vervollständigen den Selbstverteidungsaspekt des Chow Gar Trainings.
Sanda, die moderne chinesische Variante des Vollkontaktkampfes, ist in China ein moderner Wettkampfsport, der seine Wurzlen im traditionellen Wushu wiederfindet. Der Begriff Sanda selbst ist dabei etwa gegen Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstanden und steht heute für ältere Begriffe wie Sanshou, Kusoshu oder Lei Tai, die teilweise verschiedene geschichtliche und theoretische Hintergründe des Kämpfens beinhalten.
Auch in dieser Disziplin stehen Technikbeherrschung und Technikvielfalt im Vordergrund. Die Kämpfer sollen saubere Treffer mit den Fäusten oder Füssen erzielen, sowie den Gegner durch geschickte Manöver zu Boden werfen. Auf Turnieren beträgt die Kampfzeit 3x2 Minuten. Die Wertungen werden nach dem Kampf vom Ringrichter bekannt gegeben. Obwohl dieser Kampf sehr sicher ist und kaum Verletzungen auftreten tragen die Kämpfer Fuß- und Handschützer, sowie einen Tiefschutz und Kopfschutz.
Der Löwentanz ist ein kulturelles Erbe Chinas und wird seit mehreren hundert Jahren praktiziert, um böse Geister zu vertreiben und Glück, Frieden, Wohlstand und Erfolg zu bringen. In China spielt der Aberglaube eine sehr große Rolle und die Verehrung eines Schutzpatrons oder die Darbietung eines Löwentanzes gegen das Böse und das Übel dieser Welt wird überall gerne gesehen. Gleichzeitig erfreuen die eindrucksvollen Vorführungen der Löwentänzer mit fast unglaublichen Leistungen junge und alte Zuschauer gleichermaßen.
Der Löwentanz als Glücksbote
Zurückblickend auf die Geschichte Chinas zählten die traditionellen Kung-Fu Schulen schon immer zu den Bewahrern und Vertreter der chinesischen Kultur. Dies zeigt sich auch in der Ausübung des Löwentanzes. Er wird bei allen wichtigen festlichen Anlässen wie Neujahr, religiöse Feiertage, Geschäftseröffnungen, Jubiläen, Veranstaltungen usw. mit der wichtigen Aufgabe vorgeführt, jeden bösen Einfluss zu vertreiben und den Ehrenpersonen und Organisatoren zu viel Glück und Reichtum zu verhelfen. Dafür bezahlen sie den Löwentänzern ein so genanntes "Glücksgeld", welches in einem speziellen roten Umschlag während der Darbietung an die Tänzer überreicht wird. Je mehr Glück und Reichtum sich die jeweiligen Auftraggeber wünschen und je besser der Ruf des Löwentanz-Teams ist, umso mehr "Glücksgeld" wird bezahlt.
Löwentanz und Kampfkunst
Auch in der heutigen Zeit ist die Tradition des Löwentanzes immer noch sehr stark mit der der chinesischen Kampfkünste verknüpft. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Kung-Fu Unterrichts und damit der chinesischen Kultur und wird in den meisten traditionellen Schulen auch praktiziert. In Deutschland selbst ist der Löwentanz noch relativ unbekannt, da die meisten Menschen schwierigkeiten haben, sich in diese chinesische Tradition hineinzudenken.
Löwentanz und traditioneller Kung-Fu Unterricht
Der Löwentanz bietet jedoch den Kung-Fu Schulen nicht nur die Möglichkeit, ihr Ansehen zu heben, sondern er fördert vor allem die Fähigkeiten der Kung-Fu Schüler im Unterricht und stellt somit ein ausgezeichnetes Trainingsprogramm dar. Ebenso wie das Erlernen der verschiedenen stilspezifischen Kampftechniken und Formen erhebt das Löwentanztraining eine große Anforderung an die Kung-Fu Schüler. Neben dem Training zur Verbesserung der Kondition, Koordination, Konzentration, Flexibilität, Kraft, Dynamik, Leichtigkeit und Gelenkigkeit lernen die Kung-Fu Schüler noch Rhythmusgefühl und Einfühlungsvermögen in den darzustellenden Löwen. Sie entwickeln ein Gespür für die Mimik und Gestik dieses Tieres, was dem Verhalten eines echten Löwen nachempfunden ist und müssen neben dem jeweiligen Gesichts- und Körperausdruck (gähnen, schlafen, wachsam, neugierig, aggressiv) auch verschiedene Körperhaltungen einnehmen, bei denen die Grundstellungen und die Beinarbeit des traditionellen Kung-Fu eine wichtige Rolle spielen.